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    Die etwas andere Flughafenchronik von 1969 - 2008, Teil I

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    1969:

    Gegen den Willen mehrerer der betroffenen Ortschaften beginnen die Neubauarbeiten des Flugplatzes Calden.

     
    1970:

    Als man 1970 den Platz in Waldau auf gab und nach Calden übersiedelte, erhoffte man sich einen Aufschwung. Der kam aber nicht, weil man nicht richtig geplant hatte.

     
    1971: Wirtschaftsminister Karry erwartet 18.000 neue Arbeitsplätze, wenn der Flugplatz mit 11 Millionen DM ausgebaut wird.

    Professor Dr.-Ing. Carl E. Gerlach (Stuttgart) legte dem Aufsichtsrat der Flughafen GmbH das Konzept für die kommenden Jahrer den Generalausbauplan, auf den Tisch. Mit 17,5 Millionen Mark wird es danach möglich, mit dem Platz in der Entwicklung des Regionalluftverkehrs Schritt zu halten und auf einer dann 2400 Meter langen festen Start- und Landebahn auch direkt ins Ausland zu fliegen.

     
    1972:

    Von den 1971 vom Wirtschaftsminister Karry erwähnten 18.000 Arbeitsplätzen sind bisher von der Flughafen GmbH Kassel in Calden realisiert: Ein kaufmännischer, ein technischer Prokurist; ein Angestellter im kaufmännischen, einer im technischen Bereich; vier Flugleiter im Schichtdienst; zwei Schreibkräfte; sieben Tank- und Platzwarte.

    Bundesverkehrsministerium verbietet den weiteren Flugplatzausbau: „Weil die für den Startvorgang (nach Westen) zu fordernde Hindernisfreiheit nicht gegeben ist“.

    Hessens Finanzminister Arndt warnt Kassel und will die enormen Defizite nicht übernehmen. In diesem Zusammenhang kommen Zweifel auf, ob der Standort für den Flugplatz Kassel-Calden richtig gewählt wurde.

    Man erkennt: Der Flugplatz, mit Millionenaufwand viel zu groß gebaut, ist mehrere Nummern zu klein geraten und auf dem falschen Gelände angelegt.

    Die Flughafen GmbH hat eingesehen, daß der Traum von einem „Flug-Touristenzentrum Kassel-Calden“ mit einschwebenden Düsenriesen angesichts der Tatsachen wie eine Seifenblase zerplatzt ist.

    Erste Warnung durch Holger Börner

    Die Höhe dieser Summen für den Ausbau des Regionalflughafens zu einem Flughafen auch für große Düsenmaschinen machte nordhessische Politiker munter. Holger Börner, ehemals parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und jetziger Bundesgeschäftsführer der SPD, ließ auf dem Parteitag des SPD-Unterbezirks Kassel-Stadt die erste Warnung los.

    In einem schriftlichen Bericht stellte er fest: „Ein geradezu klassisches Beispiel für die Diskrepanz (Unstimmigkeit) zwischen öffentlich erhobenen Forderungen und wirklichem Verkehrsbedürfnis ist der Luftverkehr in Kassel-Calden. Ich habe mich in den vergangenen Jahren für eine Mindestausstattung dieses Landeplatzes mit Flugsicherungseinrichtungen eingesetzt und bin auch heute noch bereit, seine wirtschaftliche Bedeutung durch Ansiedlung von Industriebetrieben in seiner Umgebung zu fördern.“

    Bestimmte Pläne aber auf seine Vergrößerung und Einbeziehung in Linien- oder Charterverkehr mit großen Düsenmaschinen, die eine weitere Investition von mehreren Millionen erfordern, halte ich für Utopien und deshalb nicht für förderungswürdig.“

    Nach Börner sollte man sich in einer „Zeit knapper öffentlicher Mittel“ dafür entscheiden, „ob wir den Flugplatz zu Lasten anderer notwendiger Aufgaben wie den Bau von Schulen und Kindergärten weiter ausbauen wollen. Ich war immer dafür, die „Kirche im Dorf“ zu lassen, das heißt, den Flugplatz so auszubauen, wie er für den Geschäftsreiseverkehr und für den Zubringerverkehr zu anderen Flugplätzen notwendig ist. Mehr nicht.“
    (Anm. Auch 2004 steht Holger Börner noch zu dieser Aussage!)

     
    1973: Hauch von Geld: Kassel baute für 22 Millionen einen Flugplatz der nicht gebraucht wird.

    Der Antrag, vom Caldener Delegierten Udo Schlitzberger und anschließend auch von MdB Rudi Walther (Zierenberg) begründet, fordert insbesondere die weitgehende Einschränkung der Fliegerei, „die nach den Beobachtungen seit der Inbetriebnahme des Flugplatzes den größten Lärm verursacht“.

    Rudi Walther prangerte dabei scharf an, daß die Bevölkerung rund um den Flugplatz wegen „einiger weniger Privilegierter“, die sich den Luxus der Fliegerei leisten könnten, unerträglichen Belästigungen ausgesetzt werde, „Hier können wir durch ein Verbot konkret etwas für den Umweltschutz tun.“

    „General Air“ will sich zurückziehen. Die Fluggesellschaft erwägt Einstellung ihrer Flüge in Kassel-Calden. Zur Zeit zahlt die Stadt Kassel für dieses Jahr einen Betrag von 250 000 Mark. „ General-Air“- Repräsentanten hatten gegenüber Vertretern der Landesregierung angedeutet, daß damit der Flugbetrieb in Calden nicht fortzusetzen sei.

    Börner über die Zukunft des Caldener Flugplatzes

    Kassel (ger). Skeptisch äußerte sich der Kasseler Bundestagsabgeordnete Holger Börner, der auch Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags ist, zur weiteren Entwicklung des innerdeutschen Regionalluftverkehrs in einem Gespräch mit der HA über die Zukunft des Caldener Flugplatzes. Er sieht die eigentliche Aufgabe des Platzes in der Nutzung durch Betriebe der Flugzeugindustrie und -Wartung. Unter diesem Gesichtspunkt seien auch die Investitionen für Calden gerechtfertigt.

    Börner deutete an, daß er in der negativen Entwicklung des Linienflugverkehrs in Kassel ein Strukturproblem sehe. Zum einen hätten zuwenig von den angebotenen Luftverkehrsmöglichkeiten Gebrauch gemacht, zum anderen habe der Flugverkehr unter Entfernungen von 300 Kilometern den Wettbewerb gegen Eisenbahn und Auto verloren.

    Illusion

    Mit jedem Tag, mit dem die Lücke in der Ruhrgebietsautobahn zuwachse, werde ein Regionalluftverkehr zwischen Kassel und Westdeutschland immer mehr zur Illusion, so Börner. Mit dem Auto komme man beispielsweise heute schon schneller nach Dortmund als per Linienflugzeug.

     
    1975: Obwohl teuer subventioniert: Linienflüge werden eingestellt. Es fehlt ein Instrumentenlandesystem.
     
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